
« Podcasts werden medial und gesellschaftlich eine immer bedeutendere Rolle einnehmen. Fast jeder von uns will nicht mehr auf den einen Lieblingshost oder den einen Podcast in seinem Ohr – und in seinem Leben – verzichten. Die Welt wird chaotischer, volatiler und Podcasts bieten hier für hunderte Millionen Menschen vertrauenswürdige Information, Orientierung, sowie Unterhaltung und Zerstreuung und erfüllen auch soziale Bedürfnisse. »
Zsolt Wilhelm
Zsolt: Podcasts so richtig verstanden und lieben gelernt hatte ich, als ich vor neun Jahren Papa wurde. Mit einem Schlag hatte ich viel weniger Zeit, alle Hände voll zu tun, aber nach wie vor ein unstillbares Informationsbedürfnis. Da war mir klar, dass ich mit diesem Problem nicht allein bin und wir das auch im STANDARD machen müssen. Nicht viel später wurde ich damit beauftragt, die Podcasts Edition Zukunft und Thema des Tages aufzubauen und den Kanal Podcast zu etablieren.
Mich reizt die Gestaltungsvielfalt des Mediums und der Platz, den wir unseren Themen und Gästen schenken können. Mich begeistert, dass wir die Menschen hinter unserer journalistischen Arbeit und eine Vielzahl an klugen Expert:innen ins Rampenlicht rücken können und den Raum haben, um Zwischentöne aufzugreifen, die im straffen Gerüst geschriebener Texte oft untergehen. Wenn ich bei der Aufnahme etwas gelernt habe und unsere Hörer:innen und Seher:innen ebenfalls etwas dazulernen können und wir Teil einer gemeinsamen Lebensrealität geworden sind, die auf Wertschätzung beruht, dann ist das als Medienschaffender sehr erfüllend.
Antonia: Ich habe meine journalistische Karriere beim Radio begonnen – so war mir der Audio-Bereich schon vertraut, bevor ich zum STANDARD gekommen bin. Der Schritt zum Podcasting war dann dennoch ein großer – immerhin bietet Podcast eine schier endlose Spielfläche an Möglichkeiten, Geschichten zu erzählen und Themen aufzubereiten. Diese Vielfalt und das kreative Potenzial machen für mich auch einen besonders großen Reiz des Formats aus.

Antonia: Ich widme mich vor allem dem Podcast Inside Austria, der in Kooperation mit dem Spiegel entsteht. Dafür arbeite ich vorwiegend im Tandem mit Lucia Heisterkamp, Spiegel-Redakteurin in Berlin. Inside Austria widmet sich österreichspezifischen Themen, die wir (auch) für ein deutsches Publikum aufbereiten. Wir tun das im Storytellingformat – der Podcast ist also eine Art Doku zum Anhören.
Unser Arbeitsalltag hängt stark von unseren aktuellen Projekten ab. Von kurzen Interview-Folgen mit spannenden Persönlichkeiten bis zu langwierigen Recherchen kann vieles dabei sein. Und egal ob Themenfindung, Moderation oder Schnitt – wir legen überall selbst Hand an.
Zsolt: Ganz simpel ausgedrückt ist es unser Job, mit den richtigen Leuten über die spannendsten Themen und Fragen zu sprechen, aufzuklären und im besten Fall dabei auch noch zu unterhalten. Wir haben redaktionelle Teams, die die Formate bespielen und hosten und wir haben auch Producer, die unsere Podcasts bearbeiten und schneiden.
Für den Alltag heißt das, ungesund viele Nachrichten und Medien zu konsumieren, eigene Zugänge zu überlegen und dabei die Neugier und den Spaß daran nicht zu verlieren. Je nach Dringlichkeit und Langlebigkeit der Themen produzieren wir einzelne Folgen innerhalb weniger Stunden – wenn zum Beispiel ein Krieg ausbricht – und manchmal auch Wochen im Voraus – wenn wir wie aktuell eine sehr spannende Serie über Sigmund Freud veröffentlichen.
Zsolt: Podcasts erfüllen mehrere Zwecke. Sie helfen uns, neue Zielgruppen zu erreichen und bestehende Zielgruppen über die Website oder die Printzeitung hinaus zu binden. Podcasts sind eine Plattform, um unsere redaktionelle Vielfalt und Leistung zu bewerben und unserer Redaktion Stimmen und Gesichter zu verleihen.
Und Podcasts helfen uns, neue Erlösquellen zu erschließen. Sei es über Werbung, Aboangebote oder immer öfter auch über Live-Veranstaltungen – wie im Sommer bei Theater im Park.
(Live-Podcasts: Ist Veganismus tot? und Amerikas Schicksalswahl)
Zsolt: Wir betreiben aktuell neun Shows. Unser tägliches Zugpferd ist der Nachrichtenpodcast Thema des Tages. Wir machen den wöchentlichen Investigativpodcast Inside Austria zusammen mit dem Spiegel.
Wir regen zweiwöchentlich die Neugier unserer Hörer:innen an mit Rätsel der Wissenschaft. Wir geben in Finanz-, Karriere- und Wirtschaftsfragen Orientierung mit Lohnt sich das? und CEO. Wir helfen jede Woche mit Besser leben dabei, glücklicher zu werden. Wir blicken zweiwöchentlich mit Edition Zukunft weit nach vorne (und leider auch sorgenvoll Richtung Klimawandel).
Wir geben Einblicke in die Streaming-Welt mit Serienreif und neuerdings sprechen wir in Schuldfrage – in Kooperation mit Joyn – über wahre Kriminalfälle. Unsere Podcasts findet ihr auf Spotify, Apple, Youtube, derStandard.at und überall, wo es Podcasts gibt.
Antonia: Inside Austria wurde gerade mit dem European Newspaper Award in der Kategorie „Podcast“ ausgezeichnet. Beim INMA World Congress in Berlin gewann der STANDARD gemeinsam mit dem Spiegel den ersten Platz in der Kategorie „Best Use of Audio“ für die Podcast-Serie Inside Austria: Die Macht der Burschenschaften. Die Serie meiner Kollegin Margit Ehrenhöfer über Marko Arnautovic erhielt den Sports Media Austria Preis 2025 in der Kategorie Audio.
Zsolt: Alles sehr verdient, würde ich sagen! Dazu kommt, dass wir mit Thema des Tages fast durchgehend die heimischen Jahrescharts auf Apple Podcasts und Spotify anführen und nach Downloads aus Österreich auch laut ÖAK das heimische Podcastfeld anführen. Besser leben ist auch in den Top 10 der ÖAK-Charts.
Was mich aber am meisten freut, sind die erstklassigen Bewertungen und vielen beflügelnden Kommentare, die wir über Spotify oder Youtube erhalten. Und zwar auch für unsere nischigeren Formate. Das Publikum ist die härteste Jury, die wir Folge für Folge überzeugen müssen.
Antonia: Das kommt ganz auf die Zielsetzung an – es soll ja auch eigene Einschlaf-Podcasts geben. 😉 Eine Folge Inside Austria empfinde ich dann als gelungen, wenn Hörer:innen überrascht und unterhalten worden sind, sich danach aber auch ein Stück weit besser mit dem jeweiligen Thema auskennen. Auch guter Sound spielt eine Rolle – dabei ist unser Producer Christoph Neuwirth unentbehrlich.
Zsolt: Wurde ich richtig neugierig gemacht? Wurde ich umfassend informiert? Habe ich etwas Neues gelernt? Wurde ich gut unterhalten? Wenn ich alle Fragen positiv beantworten kann, ist es in den meisten Fällen ein guter Podcast.
Zsolt: Unsere Podcasts wurden 2025 über alle Plattformen hinweg 17,6 Millionen* Mal gestreamt. 2021 waren es noch 6,6 Millionen* Streams. Wir und der Markt wachsen also gewaltig.



Zsolt: Wer unsere Podcasts hört, hängt vom Format ab. Bei Thema des Tages ist unsere Zielgruppe auf Spotify und Apple ziemlich ausgeglichen männlich und weiblich und zwei Drittel sind unter 34 Jahre alt. Bei Besser leben sind zwei von drei Hörer:innen Frauen und eine Spur älter. Bei CEO erreichen wir primär Männer bis 44 Jahre.
Das heißt, en gros sind Podcasts deutlich jünger als etwa Printzeitungsleser:innen. Schauen wir jedoch auf Youtube, erreichen wir mit vielen politischen Themen nicht nur ältere Leute, sondern auch immer mehr Menschen außerhalb Österreichs. Unsere Nachbarn lieben Thema des Tages auf Youtube und Inside Austria sowieso.
Zsolt: Podcasts bieten Platz für klassische Werbespots, für vorgetragene Werbeinformationen (Presenter-Read oder Host-Read) sowie für zeitlich begrenzte Kampagnen und auch dauerhafte Sponsorships. Bei allen Werbeformaten gilt: Sie beeinflussen nicht unsere journalistische Arbeit und Unabhängigkeit.
Der große Vorteil von Werbung in Podcasts ist, dass es kein Medium gibt, bei dem Anzeigen aufmerksamer gehört und als relevanter empfunden werden. Hinzu kommt, dass wir beim Podcast-Publikum vergleichsweise sehr hohe Durchhörraten haben. Sprich: Hörer:innen und Seherinnen:innen bleiben gut und gerne 30 oder 40 Minuten dran. Wenn ich als Werbetreibender in Podcasts gehört werden möchte, habe ich viele Gelegenheiten dazu.
Zsolt: Podcasts werden medial und gesellschaftlich eine immer bedeutendere Rolle einnehmen. Fast jeder von uns will nicht mehr auf den einen Lieblingshost oder den einen Podcast in seinem Ohr – und in seinem Leben – verzichten.
Die Welt wird chaotischer, volatiler und Podcasts bieten hier für hunderte Millionen Menschen vertrauenswürdige Information, Orientierung, sowie Unterhaltung und Zerstreuung und erfüllen auch soziale Bedürfnisse – Stichwort „parasoziale Beziehungen“.
Und in den USA haben wir schon erlebt, wie Präsidentschaftskandidaten über Podcasts ein weit größeres Publikum erreichen als über die führenden Fernsehsender. Dementsprechend werden immer mehr Ressourcen von traditionellen audiovisuellen Medien in den Podcastmarkt fließen.
Wir erleben einen Marktumbruch auf den wir uns als STANDARD nun seit vielen Jahren intensiv vorbereiten. Gehen unsere Pläne auf, werden wir auch weiterhin unser Publikum glücklich machen und ganz oben mitspielen.